Längst sind Abnehmspritzen nicht nur in Hollywood, sondern auch in Deutschland im Trend. Wohl auch deshalb, weil im Netz – besonders auf Social Media – viele Erfolgsmeldungen zu lesen sind. Auch von Prominenten: So erzählt beispielsweise Oliver Pocher, dass er dank Diätspritze 15 Kilo verloren habe. Worüber in sozialen Medien jedoch seltener berichtet wird, sind die möglichen Nebenwirkungen der Abnehmspritze. Wir klären auf.
Rund die Hälfte der Anwenderinnen und Anwender hat zu Beginn der medikamentösen Behandlung Verdauungsprobleme, die meist nach einigen Tagen abklingen.
Ernste Nebenwirkungen von Ozempic® oder Wegovy® wie etwa Bauchspeichelentzündungen sind sehr selten.
Die Abnehmspritze wirkt nur, solange sie genutzt wird. Nach Absetzen kommt es daher schnell zum Jo-Jo-Effekt.
Mögliche Alternativen sind der Magenballon und Endosleeve – vor allem bei starkem Übergewicht.
Wie wirken Abnehmspritzen?
Abnehmspritzen nutzen Wirkstoffe wie Semaglutid, um den Appetit zu regulieren und ein Sättigungsgefühl zu erzeugen. Ozempic® ist ein Diabetes-Medikament und nur für die Behandlung von Typ‑2‑Diabetes zugelassen, enthält aber kein Insulin und wird im Rahmen des Off-Label-Use auch zum Abnehmen verwendet. Wegovy® wiederum ist höher dosiert und dient nur der Gewichtsabnahme. Es ist seit 2024 als Lifestyle-Medikament eingestuft. Wie jedes Medikament kann es Nebenwirkungen haben.
Typische Risiken und Nebenwirkungen der Abnehmspritze
Meist sind die Nebenwirkungen harmlos. Am häufigsten ist die Verdauung beeinträchtigt:
- 43,9 % der Anwenderinnen und Anwender leiden unter Übelkeit und Erbrechen,
- 29,7 % unter Durchfall,
- 24,2 % unter Verstopfung.
Diese und andere Probleme treten meist zu Beginn der Anwendung oder bei einer Dosiserhöhung auf. Wenn sich der Körper nach ein paar Tagen oder Wochen an das Medikament gewohnt hat, lassen die Nebenwirkungen oft nach.
Schauen wir uns anhand der Abnehmspritze Wegovy® genauer an, welche weiteren Nebenwirkungen auftreten können.

Mögliche Nebenwirkungen von Wegovy® im Detail
- Magenschleimhautentzündung
- Refluxkrankheit mit Sodbrennen
- Haarausfall
- Hautreaktionen wie Rötungen und Juckreiz im Bereich der Einstichstelle
- Missempfindungen oder Schmerzen im Oberbauch
- Blähungen
- vermehrtes Aufstoßen
- Spannungsgefühle im Bauchbereich
- Gallensteine in der Gallenblase
- Schwindel
- bei Anwendern mit Typ-2-Diabetes: Unterzuckerung (Hypoglykämie) und/oder Erkrankung der Netzhaut (diabetische Retinopathie)
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Verstopfung
- Bauchschmerzen
- Erschöpfung
- Kopfschmerzen
- schneller Puls
- Blutdruckabfall, besonders beim Aufstehen
- langsame Magenentleerung
- akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
- mehr Verdauungsenzyme in der Bauchspeicheldrüse (Lipase und Amylase)
- plötzliche und sehr starke allergische Reaktion
- akute Schwellung der Unterhaut (Angioödem)
Wichtig zu wissen
Wegovy® ist erst seit 2023 in Deutschland auf dem Markt. Es gibt also noch keine längeren klinischen Studien über potentielle längerfristige Nebenwirkungen. Allerdings sind Langzeitfolgen wohl eher unwahrscheinlich, da Sättigungshormone bereits seit Ende der 2000er-Jahre in der Diabetestherapie eingesetzt werden – wenn auch in niedrigerer Dosierung.
Noch ein Tipp
Aufgrund möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten Patientinnen und Patienten vorab mit ihrem Arzt oder Apotheker sprechen, wenn sie die Abnehmspritze ausprobieren möchten.
Schwere Nebenwirkungen der Abnehmspritze?
In den USA haben dutzende Menschen eine Sammelklage gegen Novo Nordisk eingereicht, den Hersteller von Ozempic®. Sie machen die Abnehmspritze für eine Magenlähmung verantwortlich, die lebensgefährlich sein kann. Auch von Zahnausfall und chronischem Durchfall berichten sie. Hier gibt es allerdings noch kein Urteil. Es ist also unklar, ob die Beschwerden tatsächlich auf Ozempic® zurückzuführen sind.
Davon abgesehen tauchten kürzlich bislang unbekannte Nebenwirkungen auf. So haben Anwenderinnen und Anwender ein leicht erhöhtes Risiko für Nierensteine und ein um 11 Prozent erhöhtes Arthritis-Risiko.
Wie hoch ist das Risiko des Jo-Jo-Effekts bei Abnehmspritzen?
Der Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen der Abnehmspritze gehört natürlich nicht zu den klassischen Nebenwirkungen, sollte aber dennoch nicht unerwähnt bleiben. Schließlich wollen die meisten Menschen abnehmen, um ihre schlanke Linie möglichst dauerhaft zu behalten.
Laut einer Studie ist das mit Abnehmspritzen aber nicht immer möglich: Nach 36 Wochen Behandlung mit dem Wirkstoff Tirzepatid verloren Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas durchschnittlich 20,9 % ihres Körpergewichts. In den folgenden 52 Wochen nahmen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf Placebo wechselten, 14 % des verlorenen Gewichts wieder zu. Wer Tirzepatid weiter einnahm, verlor zusätzlich 5,5 %.

Was tun gegen den Jo-Jo-Effekt?
Auch wer sich mit einer Diätspritze behilft, kommt um Sport und eine gesunde, ausgewogene Ernährung nicht herum, will er oder sie auf Dauer Gewicht verlieren. Andernfalls müssten Betroffene die Diätspritze dauerhaft anwenden – einmal pro Woche.
Ärztlich begleitete Behandlung mit der Abnehmspritze bei Viszera in München
Wer sich für eine Behandlung mit der Abnehmspritze entscheidet, sollte dies stets unter ärztlicher Aufsicht tun.
Bei Viszera in München bietet Prof. Dr. med. Thomas Horbach, Facharzt für Chirurgie und Adipositas-Spezialist, eine umfassende medizinische Begleitung an – von der individuellen Beratung über die Dosisanpassung bis zur regelmäßigen Verlaufskontrolle.
So lässt sich die Therapie sicher durchführen und optimal mit Ernährung, Bewegung und Verhaltenstraining kombinieren.

Alternativen zur Abnehmspritze
Wer nur leicht übergewichtig ist und rein aus ästhetischen Gründen abnehmen möchte, sollte sich vorher überlegen, ob er die Risiken einer Abnehmspritze in Kauf nehmen möchte. Betroffene könnten zunächst mit herkömmlichen Methoden wie Sport und einer Ernährungsumstellung versuchen, ihr Wunschgewicht zu erreichen. Ohne Frage, ein gesünderes Leben hat viele weitere Vorteile für Körper und Geist!
Bei Menschen mit Adipositas ist die Lage etwas dringlicher. Bereits fünf Prozent weniger Körpergewicht können sich in diesem Fall positiv auf die Gesundheit auswirken. Schließlich erhöht starkes Übergewicht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, unter anderem auch für bestimmte Krebsarten.
Was also tun, wenn regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsumstellung nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben und die Diätspritze keine Option ist?
1. Alternative: Magenballon
Ein Magenballon ist ein mit Flüssigkeit oder Luft gefüllter Ballon, der über den Mund in den Magen eingebracht wird. Er nimmt dort Platz ein und sorgt für ein schnelleres Sättigungsgefühl, wodurch Patientinnen und Patienten weniger essen. Der Ballon bleibt meist sechs bis zwölf Monate im Körper.
Ein Magenballon ist bei einem BMI zwischen 27 und 35 eine Option, wenn Diäten erfolglos waren und eine medikamentenfreie Methode gewünscht ist. Der Magenballon lohnt sich, wenn Betroffene die Behandlungszeit nutzen, um sich an kleinere Portionen, Sport und eine kalorienarme Kost zu gewöhnen. Dann sind nachhaltige Effekte möglich (zunächst 14 – 33 Kilo Gewichtsverlust je nach Adipositas-Grad).
2. Alternative: Endosleeve
Endosleeve ist ein endoskopisches Verfahren zur Verkleinerung des Magens. Dabei wird der Magen über eine Magenspiegelung von innen gefaltet und vernäht, sodass er weniger Nahrung fasst. Das Verfahren ist minimalinvasiv, kommt ohne äußere Schnitte aus und unterstützt langfristig beim Abnehmen.
Eine endoskopische Schlauchmagenformung ist bei Adipositas (BMI ab ca. 30) eine Option, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Das Verfahren eignet sich für Menschen, die eine effektive, aber weniger invasive Alternative zur Magen-OP suchen – mit dauerhafter Wirkung ohne äußere Schnitte.
Magenballon vs. Abnehmspritze: Kosten im Vergleich
Die Abnehmspritze kostet je nach Marke rund 250 Euro pro Monat. Das sind im Jahr 3.000 Euro. Zum Vergleich: Ein 12-Monats-Ballon kostet ab 3.300 Euro und kann lange nachwirken, wenn die Ernährungsumstellung diszipliniert durchgehalten wird. Beide Verfahren werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Erfahren Sie mehr über die Kosten der Behandlung mit dem Magenballon in unserer Münchner Praxis. Gerne sind wir für Sie da, wenn Sie einen Arzt zum Abnehmen suchen.

Häufige Fragen rund um die Abnehmspritze bei Übergewicht und Adipositas
Wer nur leicht übergewichtig ist, nimmt mit der Abnehmspritze mögliche Nebenwirkungen in Kauf, die eventuell nicht nötig sind. Hier könnten Sport und eine Ernährungsumstellung womöglich ausreichen. Bei starkem Übergewicht ist es häufig anders, da Gewichtsreduktion einen gesundheitlichen Vorteil mit sich bringt. In diesem Fall kann der Nutzen die Risiken überwiegen.
Laut Beipackzettel wird Wegovy® zur Gewichtsreduktion verschrieben, wenn Betroffene bereit sind, das Medikament mit einer kalorienarmen Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität zu kombinieren. Es eignet sich bei starkem Übergewicht (BMI über 30) oder bei mäßigem Übergewicht (BMI über 27) in Verbindung mit Begleiterkrankungen.
Mögliche Nachteile der Abnehmspritze sind Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsprobleme und auch Haarausfall oder Gastritis. Hohe Kosten und Gewichtszunahme nach dem Absetzen sind weitere Nachteile. Zudem fehlen Langzeitdaten. Die Wirkung ist nur bei konsequenter Anwendung und einer Lebensstiländerung nachhaltig. Das heißt, Betroffene kommen um eine Ernährungsumstellung und Sport nicht herum.
Die gängigsten Nebenwirkungen sind Unterzuckerungen (Hypoglykämien), insbesondere wenn gleichzeitig Insulin oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden. Häufig kommt es außerdem zu Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder allgemeinem Unwohlsein im Magen-Darm-Bereich. Auch Appetitlosigkeit und Schwindel können auftreten. In einigen Fällen wurde zudem Erbrechen beobachtet.
Saxenda® hat bei richtiger Anwendung meist geringe Risiken, kann aber diverse Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder andere Beschwerden verursachen. Selten treten ernsthafte Komplikationen wie Pankreatitis auf. Das Risiko steigt bei falscher Dosierung oder Vorerkrankungen – daher ist eine ärztliche Begleitung wichtig.
Nach dem Absetzen nehmen viele wieder zu, da der Appetit zurückkehrt. Ohne dauerhafte Ernährungsumstellung und Bewegung kann ein Großteil des verlorenen Gewichts wiederkommen. Eine langfristige Strategie ist daher entscheidend. Selbst im Beipackzettel steht, dass Wegovy® nicht als alleinige Maßnahme zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden sollte.
Der Magenballon wirkt mechanisch und ist meist bei höherem Übergewicht sinnvoll, während die Abnehmspritze hormonell wirkt und medikamentös behandelt. Beide erfordern eine begleitende Lebensstiländerung – also mehr Sport und eine Ernährungsumstellung. Gerne beraten wir Sie, ob ein Magenballon die richtige Wahl für Sie ist.
